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Das Geheimnis, warum Oma nach 50 Jahren Ehe noch glücklich ist

Immer wenn die Themen Liebe, Beziehung und Ehe diskutiert werden, kommt Oma ins Spiel. Viele meiner Freundinnen und Kundinnen schwärmen: „Oma ist auch nach 50 Jahren Ehe noch glücklich mit Opa. Davon träume ich auch.“ Sofort denkt man: „Oh, wie romantisch!“ und „Früher war einfach alles besser.“ Wir träumen alle von der einen ganz großen Liebe mit der wir unser Leben teilen. Doch die Realität schaut meist anders aus. Und zwar ganz anders!

 

Deshalb stellen wir die Fragen: Ist Oma eben nicht nur heute, sondern war sie auch die 50 Jahre ihrer Ehe glücklich? Was bedeutet Glück für Oma im Gegensatz zu uns heute? Und was waren ihre Erwartungen? Fragt man Ehepaare die viele Jahre verheiratet sind nach dem Rezept für eine glückliche Ehe, gibt es viele Antworten. Aber nicht die, die wir erwarten: Glück, Selbstverwirklichung und Treue. Was macht also eine Ehe einzigartig? Eher sind es Faktoren wie Toleranz, einander ergänzen, sich hundertprozentig auf den anderen verlassen können und schwere Zeiten gemeinsam durchstehen. Nicht die ewige Leidenschaft, sondern zusammenhalten und die Ehe als eine grundlegende Bindung sehen, die nicht in Frage gestellt wird. Auch wenn die Dinge mal schlecht laufen.

 

Hierzu empfehle ich meinen Blogbeitrag „Die 5 Phasen der Liebe“.

 

Dann gab es früher die traditionelle Rollenverteilung. Sie hatte oft keine ausreichende berufliche Ausbildung. Er konnte nicht kochen und deshalb den Haushalt mit Kindern nicht am Laufen halten.

 

Es scheint als waren es meist die Frauen die zurückgesteckt haben. Aus gutem Grund. Es galt noch bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein das Schuldprinzip. Das heißt, wer ohne Grund die Ehe verließ, war Schuld am Scheitern der Ehe. War es der Mann, musste er quasi als Bestrafung für die ehemalige Gattin zahlen. Was er es die Frau, gab es keinen Unterhalt. Was für eine Frau ohne Berufstätigkeit oft unmöglich war, wollte sie nicht ins soziale Abseits rutschen. Als geschiedene Frau war sie oft ohnehin schon im gesellschaftlichen Abseits. So wurde mehr um den Erhalt der Ehe gekämpft und man versuchte, die guten Seiten zu sehen.

 

Auch das Thema Treue wurde früher anders bewertet. Viele Frauen heute dulden einen Seitensprung oder gar ein Verhältnis auf keinen Fall und sehen das als Trennungsgrund. Früher hatte die Gesellschaft allgemein mehr Verständnis für seine Situation. Fremdgehen galt eher als „Kavaliersdelikt“. Wahrscheinlich hat sie ihn einfach nicht glücklich gemacht. Im täglichen Leben oder auch sexuell. Da ist es doch kein Wunder, dass er etwas Zersteuung sucht und sich woanders holt, was er Zuhause nicht bekommt.

 

Ja, so war das früher. Das haben mir viele ältere Frauen in vertraulichen Gesprächen bestätigt. Da hat frau lieber geschwiegen und gewartet, bis die Affäre wieder vorbei war.

 

Andererseits bot die alte Rollenverteilung auch Vorteile. Es gab weniger Reibungspunkte. Der alte Ausspruch „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt“ stammt aus dieser Zeit. Er hat ihr da nicht reingeredet. Das war ihr Terrain. Und er hatte seine Bereiche, für die er verantwortlich war. Heute muss jede Beziehung ihre eigene Rollenverteilung finden und festlegen, wer für was zuständig ist. Viele Männer können inzwischen hervorragend kochen und bügeln. Frauen sind Vollzeit berufstätig und wollen nicht zurückstecken. Deshalb müssen Zusammenleben, Arbeitsteilung und Freizeit individuell organisiert und abgesprochen werden. Hinzu kommen flexible Arbeitszeiten und die Entscheidung, ob und wieviele Kinder das Paar möchte. Viele Streitpunkte die früher keine Rolle spielten gefährden heute die Beziehung.

 

Was können wir daraus lernen? Sind wir heute beziehungsunfähiger als unsere Großltern? Nein. Früher hat man repariert, heute wirft man weg. Da ist es nicht verwunderlich, dass wir auch in der Partnerschaft uns lieber für Neues begeistern. Viele Paare scheuen leider die Herausforderung, gemeinsam von der jungen prickelnden Verliebtheit den Weg in die tiefe wahre verlässliche Liebe zu gehen.

 

 

Dabei ist dort der größte Schatz zu finden: Die Einzigartigkeit der Beziehung in der keiner der Partner mehr austauschbar ist.

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